Bericht vom 2. Bayerischer Bildungskongress zum Globalen Lernen, Dillingen 2007
Der Landesarbeitskreis Schule für Eine Welt Bayern
hat maßgeblich zum Gelingen des 2. Bayerischen Bildungskongress zum Globalen Lernen in Dillingen vom 19. bis 20.11.2007 beigetragen.
Der Kongress kann als Erfolg bezeichnet werden: circa 140 Kolleginnen und Kollegen aus allen Schulbereichen und von freien Bildungsträgern beschäftigten sich mit Inhalten und Methoden des Globalen Lernens.
Einige von ihnen begleiten seit Jahren Schulpartnerschaften, arbeiten mit NGOs im Eine-Welt-Bereich zusammen, haben Erfahrungen mit dem fairen Handel, aber anderen sind die Milleniumsziele neu, sie wollen sich im Unterricht zukünftig mehr mit Eine-Welt-Themen beschäftigen und suchen Informationen. Insbesondere aber war der Informationsaustausch und viele informelle Gespräche über Erfahrungen mit Schul- und Projektpartnerschaften, die Sinnhaftigkeit von Spenden und "die Welt" im Unterricht von großer Bedeutung. Denn nur vernetzt lässt sich auf diesem Feld agieren.
Vorbereitung:
Die Schwierigkeiten im Zustandekommen und in der Organisation der Tagung mit der Vertretung der ALP Dillingen waren immens. Manche Auswirkungen der Meinungsverschiedenheiten und unabgesprochenen Veränderungen ließen sich bis in den Kongress hinein spüren durch eine allzu große Hektik durch ein zu dichtes Programm am 1. Tag, was durch die Kürzung des Kongresses durch die Akademie bedingt war. Viele bedauerten, dass nach dem Eröffnungsvortrag keine Zeit mehr zur Diskussion war. Sehr gut hingegen gelang die Kooperation mit den außerschulischen PartnerInnen (Eine-Welt-Netzwerk Bayern, Misereor, Brot für die Welt, Mission Eine Welt, Inwent) in der solidarischen Vorbereitung und der gemeinsamen Gestaltung z.B. auch von Workshops.
Festzuhalten ist, dass es nicht immer einfach war, ein gemeinsames Verständnis vom Globalen Lernen in seinem umfassenden Sinn im Programm zu verankern. So wurde plötzlich der Klimawandel aus aktueller Dringlichkeit zu einem zentraler Aufhänger und damit ergab sich eine Bedeutungsverschiebung hin zu eher umweltlastigen Themen, so wie wir dies auch aus dem Arbeitszusammenhang "Bildung für eine nachhaltige Entwicklung" kennen.
Vortrag von Dr. Renée Ernst
Der Kongress wurde eingeleitet durch einen sehr dynamischen und inspirierenden Redebeitrag von Frau Dr. Renée Ernst, der Koordinatorin der Milleniumskampagne in Deutschland (siehe auch viele interessante Infos, Kampagnenvorschläge speziell für Jugendliche unter www.milleniumcampaign.org). Sie skandalisierte politische Entwicklungen, belegte diese mit detaillierten Zahlen; im gleichen Zug benannte sie aber auch Chancen zur Verwirklichung der Milleniumsziele/MDGs; sie erläutert mit unzähligen Beispielen die Bedeutung der MDGs für Entwicklung, maß diese an der Halbzeitbilanz und an aktuellsten Zahlen in Bezug auf die Umsetzungsergebnisse. Sie stellte außerdem sehr anregende Kampagnen insbesondere für und mit Jugendlichen und für Schulen vor wie "Stand up". Leider war keine Zeit mehr zu Nachfragen und einer vertiefenden Diskussion.
Worldcafé
Nach so viel Information waren alle Pädagogen froh sich dezentral an Tische begeben zu können, um im "Worldcafé" (unter Federführung des Landesarbeitskreises/LAK), in interaktiven Roundtable-Gesprächen nicht nur die anderen KonferenzteilnehmerInnen etwas kennenlernen zu können, sondern die Bedeutung der Milleniumsziele für die Entwicklung in bestimmten Weltregionen konkret zu diskutieren und erste Konsequenzen der Umsetzung für schulisches Handeln angedacht wurden. Es hätte dem Worldcafé gut getan, wie ursprünglich geplant, 3 Runden zu diskutieren, aber man wurde gleich wieder ins Plenum zurückgerufen.
Vortrag von Prof. Doug Bourn
Der Vortrag des englischen Didaktikprofessors Doug Bourn, der für seinen etwas abgehobenen und eher oberflächlichen Beitrag zur Theorie des Globalen Lernens extra aus London eingeflogen wurde, entsprach vielfach nicht den Erwartungen der ZuhörerInnen und OrganisatorInnen, die sich eine höhere Konkretisierung des Globalen Lernens für den Schul-und Bildungsbereich gewünscht hatten.
Orientierungsrahmen
Nach einer kurzen Mittagspause stellte Herr Siege von Inwent, als einer der Mitautoren den "Orientierungsrahmen für das Globale Lernen", der erst kürzlich von der Kultusministerkonferenz verabschiedet worden ist, vor. Seine Powerpointversion bezog sich auf organisatorische Details des Zustandekommens und gab ebenfalls wenig brauchbare Hinweise für die praktische Umsetzung. Die Gefahr ist groß, dass das Kompendium ein Papiertiger bleibt trotz einer Reihe interessanter Anregungen, die darin auch für die Unterrichtspraxis stecken. Denn Fakt ist leider, dass es keine weitere personelle oder organisatorische Unterstützung zur Umsetzung des ursprünglich "Referenzcurriculum" genannten Papiers gibt. Der LAK überlegt daher in Zusammenarbeit mit weiteren Kooperationspartnern, z.B. dem Nord-Süd-Forum München, Pilotprojekte dazu an Schulen zu starten und eine Multiplikatorenausbildung in Bayern anzuschieben.
Workshops
In den nachfolgenden Workshops und anschließenden kürzeren Infoshops (siehe Programm) wurde nun endlich in überschaubarem Rahmen an Konkretem, der praktischen Umsetzung des Globalen Lernens gearbeitet.
Der LAK hatte ein eigenes Workshop organisiert siehe Flyer und es gelang, die TeilnehmerInnen durch vielfältigen Methodenwechsel, spielerische Formen und Gespräche für einen Perspektivenwechsel in der Eine-Welt-Begegnung zu interessieren. Fragen z.B. "was erwartet man von einer Partnerschaft/Begegnung z.B. in Burkina Faso oder Indien und wie kann man darauf adäquat reagieren? Regten den Dialog an. In einem anderen Workshop begeisterten sich die TeilnehmerInnen an Spielen und Informationen aus Kisten (verantwortlich AEW München) oder beschäftigten sich mit der Spielzeugproduktion konkret.
Die anschließenden Infoshops gewährten nochmals einen kleinen Einblick in interessante Ausstellungen, Bildungsmaterialien und Filme im interkulturellen Dialog.
Beitrag von China Keitetsi
Der Abend war vorbehalten der Vorstellung von Frau China Keitetsi aus Uganda, jetzt Dänemark, einer ehemaligen Kindersoldatin, die für ihr zweites biographi-sches Buch warb. Zur Einführung war ein Kurzfilm von MISSIO über den Missbrauch von Kindern und Jugendlichen in den Kämpfen in Westafrika gezeigt worden sowie über den Versuch der Kirchen die traumatisierten Kinder wieder in ein normales Leben zu integrieren. Als Moderator versuchte sich Herr Karg, stellvertretender Leiter des Landesinstituts für die politische Bildungarbeit in Bayern. Einige Fragen zum Privatleben von Frau Keitesi halfen der Verwendbarkeit dieses Schicksals für das Globale Lernen auch nicht recht weiter - „Betroffenheitspädagogik“ war halt früher mal en vogue, wird aber heute kritisch gesehen.
2. Tag
Der 2. Vormittag, der im wesentlichen von der ALP und dem Didaktiklehrstuhl der Universität Erlangen (Frau Professor Dr. Scheunpflug) gestaltet wurde, begann sehr zögerlich mit einem kleinen Materialbasar, um den herum sich 2 Stunden lang individuelle Gespräche spannen, die durch einen stimulierenden Auftritt einer Trommelgruppe ins Plenarprogramm zurückgeführt wurden.
Die abschließende Podiumsdiskussion sollte sich mit drei Gesprächspartnern (aus dem Rundfunk, der Jugendarbeit und der universitären Didaktik) mit der theoretischen Unterfütterung des Globalen Lernens und Chancen in der Umsetzung in der schulischen Praxis beschäftigen. Ein paar nette Pointen, aber kein Ausblick!
Zusammenfassung
Die entscheidenden Impulse kamen wieder einmal aus individuellem Engagement, aus dem Zusammentreffen vieler engagierter Kolleginnen und einer Fülle von Erfahrungen, die ausgetauscht und vernetzt werden konnten.
Zur Zukunftsperspektive: einige interessierte KollegInnen haben sich in den LAK-Adressenverteiler eingetragen und werden zukünftig über Aktivitäten informiert.
Heidi Meinzolt
>> Fotos vom Kongress